INHALT

 

Wie bekommen wir Sarah an den richtigen Mann? Diese Frage stellen sich ihre Freundinnen Ines und Claudia immer wieder. Sie schalten eine Annonce. Für Sarah beginnt nun eine turbulente Zeit des Kennenlernens, wobei ihr die Macken der auserwählten Herren ziemlich auf den Geist gehen. Auch ihr Gewissen meldet sich regelmäßig mit guten Ratschlägen. Sarah ist letztendlich genervt und gerät durch das Internet an Erdal. Sie zieht in die Türkei und landet  in einem kleinen Fischerdorf. Da ist aber auch noch der Parfum-Mann Olgun aus Istanbul.

 

 

 

L E S E P R O B E :

 

Nicht, dass ich willenlos bin und keine Meinung habe

oder nicht gefragt werden möchte. Aber zum einen ist

George bis auf ein paar Macken nun wirklich sehr liebenswert.

Ich fühle mich an seiner Seite absolut sicher,

beschützt und geborgen. Und zum anderen wird es mit

ihm nie langweilig. Unsere Gespräche sind außergewöhnlich.

George hat zu allem eine präzise Erklärung. Er ist

überdurchschnittlich intelligent, sein Allgemeinwissen

bemerkenswert und sein Humor, verbunden mit einem

Schuss von akzeptablem Sarkasmus, recht außergewöhnlich.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte

Mal so herzhaft gelacht habe. George tut mir also gut.

Zumindest in dieser Beziehung.

Ich werde nun bis ans Ende meiner Tage, besser gesagt

bis zu dem Zeitpunkt, an dem meine sexuellen Bedürfnisse

verstorben sind, keinen Sex mehr haben. Petting kann

ja auch ganz schön sein und Sex ist schließlich nicht alles

in einer Beziehung, aber alles ohne Sex ist auch nichts.

Dafür werde ich mit George auf der sicheren Seite des

Lebens stehen, mit ihm verreisen, an der Supermarktkasse

ganz lässig Trinkgeld geben und mir über unwichtige

Dinge wie „Sex“ keine Gedanken mehr machen. Die

meisten Paare, na ja, ziemlich viele leben in einer mehr

oder weniger platonischen Beziehung. Warum nicht auch

ich?

Mir fällt gerade ein, ich liebe einen Afrikaner, vierzig

Jahre alt. Sein Name ist Lewis, der Mann ohne Gesicht.

Auch diese Beziehung ist abstinent, zumindest bis heute,

wobei Lewis und ich aber immerhin gedanklich, virtuell,

na ja, so ähnlich eben, den leidenschaftlichsten, zärtlichsten,

verrücktesten Sex überhaupt hatten.

 

Ich bin also nun mit George liiert. Schon eine komische

Situation. Wir sehen uns jeden Donnerstag bis Montag,

die übrigen Tage telefonieren wir oder chatten, natürlich

mit Cam. Unsere Beziehung verläuft harmonisch, bis

George eines Tages ziemlich sarkastisch wird. Wir chatten

gerade. Er meint, ich müsse mich von diesen Leuten,

eigentlich nennt er sie alle „Idioten“, … trennen. Mein

Umgang sei schlecht, meine Freunde dumm und nicht

wert, sich mit ihnen abzugeben.

Ich bin entsetzt und wir fangen an zu streiten. Ist er etwa

eifersüchtig? Warum diese Reaktion?

„Sarah, Liebling, du bist nicht so wie sie. Trenne dich

von diesen Leuten und komm nach München.“

„George, ich mag meine Freunde. Und, mein Lieber, es

steht dir nicht zu, Leute zu beurteilen, die du kaum

kennst.“

Am Ende der Leitung wird es ruhig.

„George, hörst du mich?“, frage ich.

„Ich bin ein erfahrener Mann und verfüge über eine

gehörige Portion Menschenkenntnis. Trenne dich von

diesen Leuten oder von mir.“

Oh Mann, das muss ich jetzt erst einmal verkraften. Hat

er das ernst gemeint?

Sarah, du weißt ja, in schwierigen Situationen erst einmal

richtig durchatmen. Ok, mache ich, einundzwanzig,

zweiundzwanzig, dreiundzwanzig.

 

Dann höre ich mich sagen:

„Ok, George, dann trenne ich mich von dir!“

„Dumme Kuh, ihr Weiber seid doch alle gleich.“ Er beendet

das Gespräch, indem er auflegt.

Puh, das war harter Tobak! Sollte ich mich so getäuscht

haben?

Na klar, habe ich. Ich melde mich nicht mehr. George

versucht einige Male mich zu kontaktieren, aber ich reagiere

nicht mehr. Schluss, basta, Ende.

Irgendwie habe ich mit Männern kein Glück. Bin wohl

zu kompliziert oder zu wählerisch oder aber zu kritisch.

Soll ja angeblich die schwache Seite der „Jungfrau“ sein.

Unter anderem habe ich in den letzten Monaten sieben

Kilo abgenommen, ohne Diät. Finde mich recht attraktiv

mit weniger Pfunden. Na ja, bis auf die üblichen nervtötenden

diversen Zonen, an denen wir Frauen ja nun ein

Leben lang herumexperimentieren. Männer haben, was

ihr Aussehen anbelangt, weniger oder gar keine Probleme.

Liegt wohl an ihrem teilweise übersteigerten Selbstbewusstsein.

Entwickle ich mich jetzt zur Männerhasserin?

Ausgeschlossen, denn schließlich liebe ich einen Afrikaner,

vierzig Jahre alt, ohne Gesicht. Früher war der mal

weiß und zweiundfünfzig.